Diskriminierung von Lesben und Schwulen

Nach außen vertreten die Zeugen Jehovas die Einstellung, dass sie Homosexualität und die Handlungen Homosexueller nicht gut geheißen, aber ansonsten „nichts gegen den Menschen haben“. Das klingt – oberflächlich betrachtet – recht harmlos. Aussagen von Führungspersonen, die Wachtturm-Literatur und Filme der Organisation illustrieren jedoch die offene Diskriminierung von Schwulen und Lesben.

Auf der Website von Jehovas Zeugen jw.org heißt es diesbezüglich:
„Nach der Bibel sind sexuelle Kontakte zwischen Unverheirateten nicht akzeptabel, egal ob homosexueller oder heterosexueller Natur (1. Korinther 6:18). Dazu zählen Geschlechtsverkehr, das Streicheln der Geschlechtsorgane und oraler oder analer Sex.
Auch wenn die Bibel homosexuelle Handlungen missbilligt, liefert sie keine Grundlage für Homophobie oder dafür, Homosexuellen mit Verachtung zu begegnen. Christen werden vielmehr dazu angehalten: „Begegnet allen Menschen mit Respekt“ (1. Petrus 2:17Das Buch).“

Vernichtung in Armagedon

Zeitschriften, Bücher und Videos von Jehovas Zeugen zeigen jedoch eine klar homophobe Haltung, so z.B. in einem speziellen Lernvideos für Kinder (2016) Ein Mann und eine Frau„. Hier wird der vermeintlich von Gott gewollte sexuelle Weg mit den Vorschriften für den Flugverkehr verglichen. Wer nicht heterosexuell lebt, darf nicht an Bord. Mit anderen Worten: Homosexuelle kommen nicht ins kurz bevorstehende Paradies sondern werden in Armageddon vernichtet.

Der Verweis auf Gott als höchste moralische Instanz, der Homosexualität mit der Todesstrafe belegt, ist die übliche Wendung: GOTT sagt es, die BIBEL sagt es und die Zeugen Jehovas erkennen darin lediglich die göttlichen Universal-Gesetze und wenden sie an.

Selbst erworbenes Laster

Wie viele andere sektenhafte und extreme Gruppen postulieren die Jehovas Zeugen, dass Homosexualität nicht angeboren, sondern (durch falsches Verhalten) erworben ist. In einem Buch speziell für Kinder und Jugendliche wird dies ganz offen festgestellt (Jugend-Buch, 1976, S. 38, Abs. 9 und 10):
Masturbation kann sogar zur Homosexualität hinführen …
10 Das kommt viel öfter vor, als man vielleicht annimmt. Entgegen der Ansicht vieler sind Homosexuelle nicht als solche geboren, sondern sie erlernen ihr homosexuelles Verhalten.“

Auch in der Zeitschrift Erwachet Nr. 4/2016 vertritt die Organisation der Zeugen Jehovas die Meinung, Homosexualität habe keine genetische oder psychosoziale Ursache, sondern sei lediglich eine Neigung wie z. B. Aggressivität. Im Gegensatz zum Tier können Menschen sich bewusst dafür entscheiden ihre – gottgegebenen – Triebe nicht auszuleben. Dies sei erforderlich um Gott zu gefallen. 

Es wird also insinuiert, die Person, die homosexuell empfinde, sei möglicherweise selbst daran schuld, weil sie durch falsche Verhaltensweisen wie Masturbation homosexuell geworden sei. In jedem Fall hat aber die homosexuelle Person laut Lehrmeinung der Zeugen Jehovas die Wahl. Diese Wahl macht sie zu einer gottgefälligen oder einer verabscheuungswürdigen, widerlichen Person.

Offene Diskriminierung von Schwulen und Lesben

Deutlich wird die Abwertung und offene Diskriminierung z. B. in diesem Auszug aus einem Wachtturm von 1979: „Einige Bräuche bestehen aus Praktiken, die derart verdorben sind, dass sie von Jehova und somit auch von seinem Volk verabscheut werden. Zu diesen Praktiken gehören Sodomie, Homosexualität, Blutschande und andere Formen der Unzucht.
Ist es nicht so, dass sogar einige Nationen ihre Gesetze ändern, damit Homosexualität nicht mehr strafbar ist und Homosexuelle von ihren Mitmenschen geachtet werden? Wie in den Tagen des Volkes Israel und wie in der Zeit der frühen Christenversammlung, so fühlen sich auch heute alle, die ‘in ihrem ganzen Wandel heilig werden’ wollen, von solchen Praktiken angewidert„.   (Wachtturm 79 15. 6. S. 10-11)

Auch die Aussagen einer Führungsperson wie Gary Breaux illustriert die Herabsetzung und Verächtlichmachung homosexuellen Erlebens: „Satan führt Krieg, um das Denken der Menschen in Bezug auf Homosexualität zu verunreinigen … Homosexualität ist unheilig und widerwärtig für Jehova, und er wird dies unter seinen ergebenen Dienern nicht tolerieren. Bewegt dich deine Liebe zu Jehova dazu, die gleiche Sichtweise zu vertreten?“ (Gary Breaux, Helfer der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas und Mitglied des Dienstkomitees)

Dass Homosexualität zur bösen Welt gehört, wird auch in dem Zeugen-Jehovas-Spielfielm „Denk an Lots Frau“ deutlich, hier kommentiert von Bruder-Info-aktuell.de.

Diese Video zeigt, wie bei Jehovas Zeugen Homosexuelle diskriminieren werden.
Obgleich die WTG, auf der Grundlage strikter politischer Abstinenz, sich nicht an Aktionen beteiligt, die gegen die LGBT-Gruppe gerichtet sind oder die Gesetze der Regierungen bekämpft – wie gewisse Aktionsgruppen – verfolgt sie dennoch, gegen Mitglieder mit homosexuellen Neigungen, einen rigorosen Kurs, indem sie ihnen ein lebenslanges Zölibat auferlegt.
Jeder, der sich dem widersetzt, muss vollständig von seiner ZJ-Familie und ZJ-Freunden verstoßen werden; zusätzlich droht jeder Familie oder Freunden, die sich nicht an diese Vorgabe halten, ebenfalls der Ausschluss aus der Gemeinde.
Somit steht jeder, in die Gemeinschaft der Zeugen hineingeborene und womöglich schon als zehnjähriges Kind getaufte ZJ, dem als Heranwachsender klar wird, dass er homosexuell ist, vor der Wahl – entweder seine Sexualität zu verleugnen oder sein gesamtes menschliches Umfeld zu verlieren.

Diskriminierung als religiöse Haltung

Solche Äußerungen sind ganz klar gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die Diskriminierung homosexueller Menschen wird unverblümt und mit klaren Worten betrieben. 

Homosexualität ist weder wähl- noch veränderbar. Wie andere christlich-fundamentalistische Gruppen „unterscheiden“ die Zeugen Jehovas zwischen dem Menschen, der zu respektieren sei, und seiner sexuellen Orientierung, die, wie oben dargestellt, als Gott und den Menschen zuwider dargestellt wird. Das ist ähnlich, wie wenn man einer Person sagen würde, sie sei zwar ok als Mensch, aber nicht als Frau bzw. Mann – beides stellt die absolute Ablehnung, Herabsetzung und Diskriminierung des Gegenübers dar.
(Siehe auch «Sexuelle Orientierung lässt sich nicht verändern», Statement von Prof. emer. Dr. rer. nat., Dipl.-Pych. Udo Rauchfleisch)

Folgen des psychischen Drucks

Die Zeugen Jehovas setzen homosexuelle Mitglieder damit einem extremen psychischen Druck aus, indem sie etwas fordern, was Betroffene niemals erfüllen können. Er oder sie wird aber dazu genötigt indem mit Sanktionen wie Ausschluss und den damit verbundenen Folgen wie z. B. dem Kontaktverbot und soziale Ächtung von Freunden und der Familie oder dem Tod durch die baldige Vernichtung im Armageddon gedroht wird.

Dieses Angstschüren führt zu schweren psychischen Folgen wie Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen bis hin zu Suizidalität. Viele Betroffene berichten uns, dass sie unter diesen Phänomenen gelitten haben bzw. noch immer darunter leiden. Heilen dauert.

Die Praxis der Zeugen Jehovas im Umgang mit Homosexuellen ändert sich nicht. Wir halten diese Form von Diskriminierung für nicht hinnehmbar. 

Als Verein begleiten wir Menschen, die sich aus diesem emotionalen, seelischen und gedanklichen Fängen befreien möchten. In unseren Reihen sind homosexuelle ehemalige Mitglieder der Zeugen Jehovas, die gerne ihre Erfahrungen teilen, wie es möglich ist, ein selbstbestimmtes und freies Leben weit jenseits der engen und kalten Welt der Zeugen Jehovas zu führen – auch als Homosexuelle.

Weitergehende Informationen

LSVD Bayern – Zeugen Jehovas und Homosexualität
Stefan Barnikow (39), aufgewachsen in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, schwul und verheiratet, kritisiert die Sekte und findet deren Ansichten und Umgang mit Homosexuellen in ihren Reihen skandalös und menschenverachtend.

bento -QUEER: Zeugen Jehovas veröffentlichen Kinderfilm: „Schwule kommen nicht ins Paradies“
Dass Zeugen Jehovas Homosexualität verurteilen, ist hinlänglich bekannt. Doch jetzt wollen sie ihre Abscheu auch auf üble Art dem Nachwuchs einimpfen.

QUEER – Homophobe Glaubensgemeinschaft – Zeugen Jehovas: Schwule sind Kinderschänder
In einem Video macht ein Mitglied des Führungsgremiums der Zeugen Jehovas männliche Homosexualität für Kindesmissbrauch verantwortlich. 

QUEER – Zeugen Jehovas kritisieren „homosexuelle“ Hosen
Die homophobe christliche Sekte ist besorgt, weil schwule Männer ihre Mode-Ideen auch Heterosexuellen aufzwingen würden.
Ein Mitglied der Leitenden Körperschaft, Anthony Morris, verdeutlichte, wen er für diesen Trend verantwortlich macht: „Die Homosexuellen, die diese Kleidung gestalten – die wollen euch in hautengen Hosen sehen.“

RTL – Therapie statt Toleranz: „Homo-Heilung“ ist in Deutschland erlaubt!
Seine Eltern, Zeugen Jehovas, wollten Maxi unschwul machen. Er schildert seine Erfahrungen.

«Wir haben alle Identitätsprobleme»  – Wie die evangelikale Community mit Homosexualität umgeht
Abhandlung von Dr. Regina Spiess bei InfoSekta