Sexueller Kindesmissbrauch

Report Mainz deckt Vertuschung und Unterlassung wirksamer Schutzmaßnahmen auf

27.11.2018 – Opfer sexuellen Missbrauchs innerhalb der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas haben sich an die Report-Mainz-Redaktion gewandt. Sie berichten darüber, dass sie als Kinder missbraucht wurden und dass die Gemeinschaft dies zu vertuschen versucht hat. Wer redet, bekommt Druck und wird aus der Gemeinde ausgeschlossen, so das Fazit.
Rund 40 Berichte von Opfern sexuellen Missbrauchs bei den Zeugen Jehovas in Deutschland liegen der Redaktion vor.
Report Mainz liegt zudem das sogenannte Ältestenbuch der Zeugen Jehovas vor, ein internes Buch, dessen Inhalt in der Religionsgemeinschaft nur den Ältesten vorbehalten ist. Danach muss es zwei oder drei Zeugen geben, die die Tat bestätigen. Ohne eine solche Bestätigung könne nichts unternommen worden, heißt es. Der Beitrag schildert, wie die Religionsgemeinschaft solche Fälle vertuscht, welche Methoden angewandt werden.
Ein Sprecher in der Zentrale der Zeugen Jehovas in Deutschland dementiert dies und weist die Vorwürfe zurück. Weltweit werden inzwischen Tausende solcher Fälle berichtet.

Interne Regelungen fördern Vertuschung und schützen die Opfer nicht

Die allgemeine Praxis der Zeugen Jehovas, schwere Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch nicht der Polizei oder den Behörden zu melden, zeigt die schwerwiegende Unterlassung der Organisation, die Sicherheit und den Schutz der Kinder zu gewährleisten. Vielmehr führt das organisationsinterne Disziplinarsystem dazu, dass Täter sexuellen Kindesmissbrauchs kaum sanktioniert werden und meist innerhalb der Gemeinschaft und Gesellschaft verbleiben – mit dem Risiko, dass sie sich weiterhin an Kindern vergehen.

Die Abhandlung „Sexueller Missbrauch an Kindern in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas“ (Dr. Regina Spiess, infoSekta, 2017) diskutiert die Ursachen, fasst wichtige Punkte aus der internationalen Berichterstattung vieler Länder zusammen, informiert über wegweisende Urteile, sowie die Ergebnisse der australischen Royal Commission. Schliesslich werden die Richtlinien der Zeugen Jehovas zum Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch analysiert.

Weitere umfangreiche Analysen zum Thema Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen sind auch auf dem Blog von Oliver Wolschke zu finden.

Die offizielle Reaktion von Jehovas Zeugen – leugnen und Unterlagen vernichten

Stephen Lett von der leitenden Körperschaft behauptet, dass Jehovas Zeugen gegenüber Pedophilen konsequent durchgreifen würden und bezeichnet damit die Vertuschung von Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen wird als falsche Geschichten und Lügen Abtrünniger (ex-Zeugen Jehovas).


Darüber hinaus fordern Jehovas Zeugen strikte Geheimhaltung – auch bei Straftaten und polizeilichen Ermittlungen – und die konsequente Vernichtung von Unterlagen und persönlicher Notizen (siehe Verweise zu Ältestenbuch, -briefen und Aussage eines Ältesten unter Eid).


Analysen zum neusten Stand der Publikationen von Jehovas Zeugen

Aufgrund des öffentlichen Drucks und der Justiz scheinen Jehovas Zeugen langsam zu verstehen, dass sie sich bewegen müssen. Leider sind die Fortschritte nur graduell und bei weitem nicht ausreichend.

Vor Kurzem hat die Wachtturm-Gesellschaft eine Informationsbroschüre veröffentlicht, die aufzeigen soll, wie Jehovas Zeugen mit Beschuldigungen im Zusammenhang mit Kindesmisshandlung umgehen. Wie zwei ehemalige Zeugen Jehovas berichteten, wurde auf die Veröffentlichung dieser Publikation innerhalb der Versammlungen in der Woche hingewiesen, als die Tagesschau von Missbrauch unter Zeugen Jehovas in den Niederlanden berichtete.
Eine Analyse zu dieser Informationsbroschüre finden Sie hier.

Im Wachtturm-Studienartikel Mai 2019 wird die Behandlung von Kindesmissbrauchsvorwürfen bei Jehovas Zeugen so ausgiebig für die Öffentlichkeit behandelt wie noch nie.
Eine ausführliche Analyse des Studienartikels finden Sie hier.

Birgit Kluge kommentiert den Artikel „Liebe und Gerechtigkeit angesichts des Bösen“ in der Studienausgabe des Wachtturms von Mai 2019 zum Umgang der Zeugen Jehovas mit dem Thema Kindesmissbrauch und wie Eltern wirklich ihre Kinder schützen können.

Wie in destruktiven Kulten Kindesmissbrauch gefördert wird

Das Zitat ist dem Abschiedsbrief eines Missbrauchsopfers entnommen.
Wie fördern scheinbar biblisch begründete Religionsdiktaturen systematisch vertuschten Kindesmissbrauch? Was sind die Mechanismen? Wie können Täter unerkannt ihre Verbrechen ausüben? Einige Antworten finden Sie in diesem Video.
Die Voraussetzung entsteht innerhalb von Machtstrukturen, die es erlauben, die Würde des Menschen zu verletzen.
Wenn Sie selbst psychologische oder rechtliche Hilfe benötigen oder in Vertretung für jemanden aktiv werden möchten, bitte informieren Sie sich über jw.help und kontaktieren Sie uns über jwopferhilfe@t-online.de
Das Schweigen der Opfer ist die Macht der Täter!

Weitere Berichte zu Kindesmissbrauch aus europäischen Ländern

Belgien

Belgien untersucht das Thema Kindesmissbrauch innerhalb der Zeugen Jehovas

Deutschland

Rottweil – Staatsanwaltschaft ermittelt (2010) gegen einen knapp über 60-jährigen Mann wegen Missbrauchs von zwei Mädchen, derzeit 18 und 16 Jahre alt.

Greifswald – 2005 hat ein Zeuge Jehovas einen Jungen mehrfach sexuell missbraucht. Seine Gemeinde soll von den Taten gewusst haben, schwieg aber jahrelang. Der 53-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Esslingen – Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen Angeklagten Nachstellung, sexuellen Missbrauch, Nötigung und Körperverletzung vor. Er soll eine 15-Jährige derart massiv bedrängt, bedroht und verfolgt haben, dass diese zweimal versucht habe, sich umzubringen.

Mit 11 Jahren bekam ich Wind davon, was mit zwei meiner Freundinnen innerhalb der Gemeinde geschah. Der nette Onkel, Bruder W., hatte sich an gleich mehreren Mädchen unserer Gemeinde vergangen. Und auf einmal dämmerte mir das, was mein Vater mit mir tat ,wenn ich ihn jeden Abend ins elterliche Bett begleiten sollte. Es war keineswegs normal. Es war unangenehm. Meine großen Schwester hatte zum damaligen Zeitpunkt längst das Elternhaus, ja, sogar die Stadt verlassen. Sie fragte mich, ob Papa mich komisch berühren würde. Jahre später erzählte sie mir, was auch sie durchmachen musste.

Elvira Stagge (35) wird schon mit 13 Jahren von ihrem Vater, einem überzeugten ZJ, missbraucht. Nachdem sie mit 33 endlich den Mut gefunden hat, die Aufseher zu informieren, wir jedoch nichts weiter unternommen, außer, dass sie am Ende selbst geächtet wird, auch von ihrer Familie.

Großbritannien


Niederlande

Dez. 2018 – Kindesmissbrauch in den 6 Uhr Nachrichten – Polizei und Vertreter der Justiz durchsuchten das Zweigbüro, zwei Königreichssäle und vier Wohnungen der Zeugen Jehovas in den Niederlanden.
Es werden derzeit 9 Fällen von Missbrauch untersucht, in den ZJ oder ex-ZJ verwickelt sind.
Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem die Justiz zu einem vergleichbaren Vorgehen in einer religiösen Gemeinde oder Kirche gezwungen war. Der Niederländische Justizminister unterstützt das Vorgehen ausdrücklich.
… und wie reagieren Jehovas Zeugen? Wie immer mit den gleichen leeren Worthülsen

Niederlande – Jehovas Zeugen verweigern Zusammenarbeit mit Behörden bei Kindesmissbrauch und schützen Täter vor Strafverfolgung

Mai 2019 – Die Organisation „Reclaimed Voices“ meldet über 276 Fälle sexuellen Missbrauchs bei den Zeugen Jehovas in den Niederlanden und wundert sich, warum das Thema in Deutschland noch nicht aufgegriffen worden ist.


Schweiz

Missbrauch an Minderjährigen von Zeugen Jehovas aus dem Tessin vertuscht?

Anna Gunkel, Fachberaterin für Psycho-Traumatologie sagt: «Praktisch jede meiner Patientinnen, die bei den Zeugen Jehovas aufwuchs, wurde missbraucht». 
Deshalb wurde sie von den ZJ verklagt, aber die ZJ blitzen ab, weil der Staatsanwalt das Verfahren einstellte.


Weitere Berichte zu Kindesmissbrauch aus außer-europäischen Ländern

Australien

Jehovas Zeugen beteiligen sich nicht am Entschädigungsfond für Kindesmissbrauchsopfer

Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen in Australien – CNN präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung durch die Royal Commission
– Über 1000 Zeugen Jehovas wurden als Täter identifiziert;
– kein einiger Fall wurde den Behörden angezeigt
– Täter und Opfer wurden in einem Ältestenkomitee gegenübergestellt und mussten die Vorwürfe diskutieren
– nur wenn der Täter gestand oder es einen zweiten Zeugen gab, wurde dem Opfer geglaubt
– die Opfer durften mit niemandem darüber sprechen; es wurde kein angemessene Unterstützung angeboten; Opfer wollten Suizid begehen
– Opfer wurden von Ältesten zurückgehalten die Taten zur Anzeige zu bringen, da sie damit „den Namen Jehovas in den Schutz ziehen würden
– den Opfern wird keine finanzielle Entschädigung oder psychologische Hilfe angeboten

Neuseeland

In dem Video kommen mehrere betroffene Frauen zu Wort, die als Kind missbraucht wurden. Sie schildern, wie es in ihrem Fall zu den Verbrechen kam und wie Jehovas Zeugen als Institution – vertreten durch die Ältesten – versagt haben.
In fast allen Fällen mussten die Kinder vor den Ältesten und dem Täter die sexuellen Handlungen beschreiben und es wurde auch geprüft, ob es ihnen Spaß gemacht hat. Stritt der Täter den Missbrauch ab, wurde nichts weiter unternommen. Gab der Täter den Missbrauch zu, wurde er zwar vielleicht ausgeschlossen, aber nach einiger Zeit wieder aufgenommen.
In keinem der Fälle wurde die Polizei eingeschaltet und die Versammlung, in der der Täter lebte, informiert, so dass Eltern gewarnt waren.
Das Zweigbüro der Zeugen Jehovas weißt jede Verantwortung zurück und tut so, als ob sie damit nichts zu tun hätten, obwohl bei ALLEN Missbrauchsmeldung die Rechtsabteilung informiert werden musste.
Mit freundlicher Genehmigung von Silent Lambs (deutsche Untertitel von JW Opfer Hilfe e.V.)

Kanada

Sammelklage in Kanada gegen Jehovas Zeugen wegen Kindesmissbrauch vom obersten Gericht in Quebec zugelassen

Anklage gegen einen Ex-Zeugen Jehovas aus Quebec wegen Kindesmissbrauch

USA

Barbara Anderson -eine ehemalige Mitarbeiterin in der Hauptzentrale in USA – hat Klage bei der Generalstaatsanwaltschaft von Pennsylvanien eingereicht… mit dem Vorwurf, Jehovas Zeugen hätten es versäumt, 775 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch zur Anzeige zu bringen, die sich von 1997 bis 2001 ereignet hätten.

Ein Gericht in Montana, USA, verurteilte die Zeugen Jehovas zu einer Busse von 35 Millionen Dollar. Sie hätten schwere Straftaten – sexueller Missbrauch von Kindern – verheimlicht und vertuscht.