Bluttransfusionsverbot

Jehovas Zeugen verbieten ihren Mitgliedern – auch getauften, minderjährigen Kindern – im Religionsrecht Bluttransfusionen, auch wenn dies den Tod bedeutet. Das Verbot gilt sogar für ungetaufte Kinder, wenn mindestens ein Elternteil Jehovas Zeuge ist.

Jehovas Zeugen stellen das Bluttransfusionsverbot jedoch nach außen so dar, als ob dies eine persönliche Entscheidung wäre.

Stellungnahme der Leitung der Zeugen Jehovas

Die Argumentation ist vielleicht bei Erwachsenen noch nachvollziehbar. Wie ist es jedoch bei Kindern? Viele Kinder von Zeugen Jehovas lassen sich im Alter zwischen 10 und 16 taufen. Können minderjährige Kinder eine so weitreichende Entscheidung treffen? Wurde dies tatsächlich von den höchsten Gerichten Deutschlands anerkannt?
Warum unterliegen dann aber auch ungetaufte Kinder dem Blutverbot?

Sanktionen

Die internen, geheimen Anweisungen im Religionsrecht zeigen deutlich, dass nach Verabreichung einer Bluttransfusion ein Komitee darüber entscheidet, ob der/die Betreffende weiterhin ein Zeuge Jehovas ist. Damit besteht praktisch kein Unterschied zu einem Ausschluss außer, dass keine Berufung möglich ist.

„Willigt jemand in eine Bluttransfusion ein, sollte ein Komitee den Sachverhalt und die Einstellung des Betreffenden feststellen … Stellt das Komitee fest, dass keine Reue vorliegt, lässt es bekannt geben, dass der Betreffende kein Zeuge Jehovas mehr ist“ (Ältestenbuch sfl-X, Feb. 2019, Kap. 18, Punkt 3)

Todesopfer aufgrund des Blutverbots

Kinder – heldenhafte Märtyrer

Die Erwachet!-Ausgabe vom 22.05.1994 auf den Seiten 9 bis 15 unter der Überschrift „Jugendliche, die Kraft besitzen, die `über das Normale hinausgeht`“ schildert  Minderjährige, die im Zusammenhang mit einer verweigerten Bluttransfusion verstorben sind als heldenhafte Märtyrer.
Eine Zusammenfassung ist hier zu finden.

Tod eines Kindes wird glorifiziert

Gary Breaux verherrlicht den Tod eines Kindes, dem eine Bluttransfusion verweigert wurde, in der Ansprache „Wie viel bedeutet dir das Gebet“ vom August 2019 bei JW Broadcast (ab Min. 15:51)

In einem Artikel von Hemant Mehta vom 30. August 2019 wird die traurige Begebenheit ausführlich erläutert und bewertet (deutsche Übersetzung):
„Zeugen Jehovas ließen Sohn sterben, indem sie ihm Bluttransfusion verweigerten.“

Weitere Todesopfer durch das Blutverbot
Jehovas Zeugen lehren: Blut ist ein Symbol des Lebens.
Jehovas Zeugen ehren das Symbol mehr, als wofür es steht: das Leben

Weitere Erläuterungen zum Blutverbot



Rechtliche Abhandlungen zu Bluttransfusionen bei Kindern von Zeugen Jehovas

Deutschland

Bluttransfusion bei minderjährigen Kindern Zeugen Jehovas – Einschränkungen des Elternwillens bei Kindeswohlgefährdung.
„Die Sorgeberechtigten nehmen zur Kenntnis, dass der Arzt auch gegen ihren Willen und ohne Gerichtsbeschluss rechtlich verpflichtet ist, wenn keine Möglichkeiten einer transfusionsfreien Behandlung bestehen, im Notfall dem Kind Bluttransfusionen zu verabreichen, um damit das Leben des Kindes zu retten oder ernsthafte Gesundheitsschäden zu verhindern.“
Beim Aufklärungsgespräch sollte explizit darauf hingewiesen werden, dass eine Entscheidung für oder gegen eine Bluttransfusion der Geheimhaltung gegenüber Dritten unterliegt. Die ärztliche Schweigepflicht gilt auch gegenüber Mitgliedern eines Krankenhausverbindungskomitees der Zeugen Jehovas.
Leitlinie Asklepios Klinik Sankt Augustin, 08.04.2011

Rechtsmedizinischer Standpunkt, ärztliche Handlungspflicht, Entscheidungsrecht der Eltern ist begrenzt.
Kinderklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, Seite 709 – 712, Oktober 1991

Österreich

Kindeswohl – darf die Religion Bluttransfusionen für Kinder verbieten?
Kinder von sieben bis 14 Jahre gelten in Österreich als unmündige Minderjährige, für die die Eltern zu entscheiden haben. Druml betont: „Es gibt eine zu achtende Autonomie der Eltern in ihrer Rolle als Erzieher, jedoch darf das Kindeswohl nicht verletzt werden.“
Zwischen 14 und der Volljährigkeit mit dem 18. Lebensjahr gelten Kinder vor dem Gesetz als mündige Minderjährige. Hier ist zu prüfen, inwieweit ein junger Patient in der Lage ist, ohne Druck von seinen Eltern und/oder einer Glaubensgemeinschaft sowie in Kenntnis der Rechtslage und den konkreten Konsequenzen eine Entscheidung zu treffen. Kann er das, muss seine Ablehnung berücksichtigt werden. Ärzte können in dieser Situation – wie im Film – letztlich ein Gericht mit dem Fall befassen.
Kurier, 09.09.2018

Schweiz

Verweigerung einer Bluttransfusion für ein Kindes aus religiösen Gründen?
Soweit das Kind urteilsfähig ist, entscheidet es selber über medizinische Heilbehandlungen und somit auch über Bluttransfusionen. Die Sorgeberechtigten können sich einer Verweigerung oder Einwilligung nicht entgegenstellen.
Soweit eine Bluttransfusion medizinisch indiziert ist, sind zunächst Alternativen zur Bluttransfusion zu suchen. Fehlen solche und würde das Kind ohne Transfusion geschädigt, so habe die Interessen der Sorgeberechtigten zurück zu stehen. Verweigern die Sorgeberechtigten die Bluttransfusion (weiterhin), so ist die Kindesschutzbehörde einzuschalten.
Schweizerische Vereinigung der Berufsbeständinnen und -beistände, 25.04.2011


Weitere Pressemeldungen

Nigeria – Interview mit einem Vater, der eine Bluttransfusion für sein an Gelbsucht leidendes Baby ablehnte und die Behörden darauf hin eine Bluttransfusion anordneten.
punch newspaper, 28. Januar 2020, deutsche Übersetzung

England – Ärzte dürfen Mädchen Bluttransfusion geben, obwohl die Eltern als Zeugen Jehovas dagegen sind.
In einem englischen Kinderkrankenhaus schwebte ein kleines Mädchen in Lebensgefahr. Eine Bluttransfusion würde ihren Zustand sofort bessern – doch die Eltern sind Zeugen Jehovas und dürfen diese Behandlung daher nicht erlauben. Der Fall kam vor Gericht.
stern.de, 28.06.2019

Schweiz – Zeuge Jehovas akzeptierte Bluttransfusion nicht – jetzt haben ihn die Richter ausgebremst – ein wegweisendes Urteil, denn er blitzte auch beim Bundesgericht ab.
watson.ch, 23.042018

Sydney – In Australien hat ein krebskranker 17-Jähriger dagegen geklagt, dass ihm lebensrettende Bluttransfusionen verabreicht werden – und nun vor Gericht eine Niederlage erlitten. Ein Gericht entschied nun: Die Mediziner dürfen ihn auch gegen seinen Willen behandeln – allerdings nur bis zu seinem 18. Geburtstag.
Spiegel, 27.09.2013

Deutschland – Zeuge Jehovas stirbt nach verweigerter Bluttransfusion.
Christian G. stirbt nach einem Motorrad-Unfall im Krankenhaus. Das Tragische: Sein Leben hätte mit einer Bluttransfusion gerettet werden können. Doch der junge Familienvater war Zeuge Jehovas – die Glaubensgemeinschaft verweigert Bluttransfusionen.
RTL.DE, 22.06.2010

Selters/Gießen (dpa) – Nach dem Tod einer 29 Jahre alten Zeugin. Jehovas wegen einer abgelehnten Bluttransfusion hat die Religionsgemeinschaft die behandelnden Ärzte und Pfleger der Klinik im mittelhessischen Lich in Schutz genommen.
Frankfurter Rundschau, 08.09.2008

Österreich – Bestürzung nach Tod von 19-Jährigem Zeugen Jehovas.
Ärzte mussten einen 19-Jährigen während einer Operation verbluten lassen. Er hatte eine Bluttransfusion verweigert. 
Wien ORF.at, 30.03.2006