Presserat zu Jehovas Zeugen

Deutscher Presserat

Darf man Jehovas Zeugen als Sekte bezeichnen?

Der Presserat sagt ja!

Ein Leser kritisierte die Verwendung des Begriffs Sekte, da die Zeugen Jehovas eine Körperschaft des öffentlichen Rechts seien.

„Den Begriff „Sekte“ hält der Ausschuss für akzeptabel – auch wenn sich die Zeugen Jehovas anders sehen. Der Sektenbegriff ist weitgefasst. Es gibt hierzu keine rechtsstaatliche Definition. Es muss im Übrigen möglich sein, jede Religionsgemeinschaft kritisch zu hinterfragen. Das gilt auch für die Zeugen Jehovas, bei denen Hinweise auf problematische Methoden im Umgang mit den Mitgliedern im Raum stehen.“
(presserat.de, 16.09.2019)

Schweizer Presserat

Ächtung entzweit Familien

Die immer wieder von Jehovas Zeugen bestrittene Ächtung von Aussteigern, auch innerhalb der Familie, wird vom Schweizer Presserat bestätigt.

„… so ist in Bezug auf den Titel «Zeugen Jehovas reissen Familien auseinander» und die Ächtung einzelner Mitglieder als Hauptthema des Beitrags nicht erkennbar, inwiefern die Wahrheitspflicht verletzt worden wäre … ist es unbestritten, dass ein Verstoss gegen Regeln der Glaubensgemeinschaft zu Sanktionen bis hin zu einem Ausschluss führen kann, auch bei Kindern und Jugendlichen. Dass dies zu Spannungen bis hin zur Entzweiung von Familien führen kann, ist naheliegend.“
(presserat.ch, 31/2016)

2-Zeugen-Regel

Bei der Beurteilung, ob die 2-Zeugen-Regel noch gültig ist, ist dem Schweizer Presserat dagegen leider ein Fehler unterlaufen.

„Anders verhält es sich mit der bei sexuellen Übergriffen geltenden «2-Zeugen-Regel», wonach dem Verdacht auf eine Sexualstraftat an einem Kind nur dann nachgegangen werden soll, wenn es dafür mindestens zwei Zeugen gibt. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass diese Regel zum Zeitpunkt des Interviews nicht mehr bestand. Die Beschwerdegegnerin anerkennt dies. Im Interview hätte die Expertin auf diese neuere Entwicklung hinweisen oder der interviewende Journalist nachfragen müssen. Der Presserat kommt deshalb zum Schluss, dass die in Ziffer 1 der «Erklärung» statuierte Wahrheitspflicht in diesem Punkt verletzt wurde.“
(presserat.ch, 31/2016)

Die 2-Zeugen-Regel ist immer noch gültig. Zum Zeitpunkt des Interviews war folgendes Religionsrecht gültig:
«Es muss zwei oder drei Augenzeugen geben, nicht lediglich Personen, die wiedergeben, was sie gehört haben. Gibt es nur einen Zeugen, kann rechtlich nichts unternommen werden.» . Und: «… bestreitet der Beschuldigte weiterhin die Anschuldigung des einzigen Zeugen und ist die Missetat nicht nachgewiesen, überlassen die Ältesten die Angelegenheit Jehova»
(Ältestenhandbuch ks Kap. 5 Ziff. 37, S. 72, Ziff. 39 S. 73). 

Das wurde inzwischen auch von einem Schweizer Gericht bestätigt.
Siehe auch Hinweis in REPUBLIK, 09.07.2019

Leider ist der Schweizer Presserat hierbei nicht der von ihm selbst eingeforderten journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen. Trotz mehrmaliger Aufforderung unsererseits wurde die Rüge bisher nicht zurückgenommen.