Medienmitteilung vom 27.04.2020

JW Opfer Hilfe e.V.: Opferhilfe für Betroffene von Zeugen Jehovas im Aufwind Jahresbericht online

Gerade erst zum zweiten Mal beging der Verein JW Opfer Hilfe e.V. (jw.help) nach seiner Gründung Anfang 2018 seine Mitgliederversammlung – aufgrund der Corona-Krise online. Udo Obermayer, Gründer und Vorstandsvorsitzender, führte zusammen mit seiner Vorstandskollegin, Regina Spiess, und der Ehrenvorsitzenden, Barbara Kohout durch die Formalien einer Mitgliederversammlung. Selbst jahrzehntelanges Mitglied der Jehovas Zeugen und in leitender Stellung innerhalb seiner Versammlung tätig, weiß Udo Obermayer um die Schwierigkeiten und außerordentlichen Belastungen, denen sich Aussteiger*innen ausgesetzt sehen. Aus einem immer größer werdenden Bedürfnis heraus hob er den Verein 2018 aus der Taufe und rief damit eine Anlaufstelle für ehemalige Zeugen und Zeuginnen Jehovas ins Leben, die ihresgleichen im deutschsprachigen Raum sucht.

Im zweiten Jahr seines Bestehens erreichten den Verein täglich Anfragen von Hilfesuchenden, die über soziale Ächtung, Kindesmissbrauch, Depression bis zu suizidalen Gedanken berichten. Neben Beratung durch ein Team von Freiwilligen vermittelte der Verein Betroffene an Fachpersonen und Selbsthilfegruppen, mehrere dieser Selbsthilfegruppen wurden von Mitgliedern initiiert. 

Der Verein will – neben konkreter Unterstützung Betroffener – eine breite Öffentlichkeit für die Situation von (ehemaligen) Jehovas Zeugen sensibilisieren und auf die Missstände innerhalb der Wachtturm-Organisation aufmerksam machen: Die vielen Vorfälle sexuellen Kindesmissbrauchs, das Verängstigen von Kindern durch Endzeitszenarien, das Verbot, eine Bluttransfusion anzunehmen, die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen oder das Schlechtmachen von Bildung und gesellschaftlicher Partizipation. 

Der Verein ist über verschiedene Kanäle sozialer Medien aktiv, die Zahl der Abonnent*innen auf Facebook stieg 2019 um 60%, die Beiträge erreichten bis zu 35.000 Personen. Mehrere der teilweise prominenten Vereinsmitglieder unterhalten eigene YouTube-Kanäle, Facebook-Seiten und Websites. Im letzten Jahr waren rund ein Dutzend Vereinsmitglieder in Fernsehsendungen, Radiointerviews sowie in Beiträgen in Printmedien präsent. 

Vereinsmitglieder haben in Ausbildungsinstitutionen, bei politischen und gemeinnützigen Organisationen Vorträge gehalten und an Podien teilgenommen, der Verein hat sich außerdem weiter vernetzt. Mitglieder und assoziierte Personen haben bezüglich des Körperschaftsstatus der Organisation der Jehovas Zeugen, der aus Sicht des Vereins zu Unrecht verliehen worden war, verschiedene politische Vorstöße und rechtliche Schritte unternommen.

Ein Highlight des vergangenen Jahres war die Standaktion am Berliner Alexanderplatz anlässlich des Wachtturm-Opfergedenktages am 26. Juli mit einem tausendfach geschauten Video zum Thema Ächtung. Ein herausragender Erfolg war außerdem der Freispruch des Vorstandsmitglieds Regina Spiess bezüglich der Klage der Zeugen Jehovas wegen übler Nachrede vor dem Bezirksgericht Zürich. Außerdem erweist sich eine Ende letzten Jahres durchgeführte Umfrage unter Mitgliedern als äußerst fruchtbar für die weitere Arbeit des Vereins.

Hier geht es zum Jahresbericht 2019 und zur Laudatio für unsere neuen Ehrenmitglieder.

Weitere Auskünfte:  
email(at)jw.help