Anzeigen und Abmahnungen

Jehovas Zeugen versuchen immer wieder durch Anzeigen und Abmahnungen Personen und Organisationen, die über Missstände berichten, ruhig zu stellen.

Dabei werden häufig angeblich unwahre Tatsachenbehauptungen kostenpflichtig abgemahnt oder sogar angezeigt, die jedoch im Religionsrecht von Jehovas Zeugen klar und deutlich festgelegt sind.

Die uns vorliegenden Unterlassungserklärungen wurden überwiegend von Rechtsanwalt Armin Pikl von der Kanzlei Saßnick Moritz Pikl Winterlich in Hofheim am Taunus verschickt. Er ist selbst Zeuge Jehovas laut einem Interview in einer Fernsehsendung und sollte deshalb bestens mit den Interna vertraut sein. Deshalb stellt sich die Frage, warum er trotzdem Aussagen abmahnt, die in den eigenen Publikationen und damit im Religionsrecht begründet sind.

Interessant dabei ist, dass insbesondere Themen abgemahnt werden, die die Rechtstreue der KdöR in Frage stellen könnten.

Beispiele uns vorliegender Abmahnungen

Die Nummern in Klammern am Ende jeden Zitats aus einer Abmahnung ist die Referenz auf den entsprechenden Schriftverkehr, der uns vorliegt, den wir aber natürlich nicht öffentlich machen können.

Ächtung und Kontaktverbot

Widerspruch zum Kontaktverbot und sozialer Ächtung ausgeschlossener Familienangehöriger

„Die Aussage, dass zu abtrünnigen und damit zu ausgetretenen oder ausgeschlossenen Familienmitliedern kein Kontakt gepflegt werden darf, ist unwahr. Sie ist ferner der religiösen Lehre unserer Mandantschaft direkt entgegengesetzt … Durch die Verbreitung solcher unwahrer Behauptungen wird der Eindruck erweckt, die religiösen Lehren unserer Mandantschaft würden den Familienzusammenhalt stören.“ (1)

Die Publikationen der Wachtturm Gesellschaft und die Erfahrungen vieler Betroffener sprechen dagegen eine völlig andere Sprache.
Hier finden Sie weitergehende Infos zu Ächtung und Kontaktverbot.

Widerspruch zur Ächtung von Aussteigern

„‚Jeder einzelne Zeuge, der die Bewegung aus Gewissensgründen verlässt … als Häretiker gebrandmarkt wird.‘

Die Aussage, dass ausgetretene oder ausgeschlossene Mitglieder von unserer Mandantschaft und ihren Mitgliedern als ‚Häretiker‘ oder gemäß dem Religionsrecht unserer Mandantschaft als ‚Abtrünnige‘ gebrandmarkt werden, ist unwahr. Erst wenn sich jemand zum aktiven Bekämpfer der Glaubenslehren unserer Mandantschaft macht, betrachten diese ihn unter Umständen als Abtrünnigen. Die oben genannte Äußerung ist somit unwahr“ (2)

Die Abmahnung der Jehovas Zeugen entbehrt jeden Beweises für die behauptete Unterscheidung, dass nur „Bekämpfer“ geächtet werden. Tatsächlich müssen alle Aussteiger/innen geächtet und der Kontakt zu ihnen völlig abgebrochen werden, wie das eigene Religionsrecht und Erfahrungsberichte Betroffener belegen.

Blutverbot

Widerspruch zum Bluttransfusionsverbot

„‚In Wirklichkeit erfolgt Ausschluss durch die Bewegung aus vielen verschiedenen Gründen … wegen der Annahme einer Bluttransfusion‘

Diese Behauptung ist unzutreffend. Das Religionsrecht unserer Mandantschaft kennt kein Gemeinschaftsentzugsverfahren, nur weil sich ein Zeuge Jehovas Blut übertragen lässt. Dies hat das OVG Berlin in seinem Urteil vom 24.03.2005 (Az.: OVG 5 B 12.01) bereits bestätigt.
Es sei ebenso darauf hingewiesen, dass es wegen dieser unwahren Behauptung schon wiederholt zu presserechtlichen Auseinandersetzugnen gekommen ist, bei denen sich die betroffenen Verlage auf Hinweis unserer Mandantschaft hin der Unwahrheit dieser Aussage bewusst wurden.“ (3)

Dagegen heißt es in geheimen Anweisungen des Religionsrecht, dass nach Verabreichung einer Bluttransfusion ein Komitee darüber entscheidet, ob der/die Betreffende weiterhin ein Zeuge Jehovas ist.
„Willigt jemand in eine Bluttransfusion ein, sollte ein Komitee den Sachverhalt und die Einstellung des Betreffenden feststellen … Stellt das Komitee fest, dass keine Reue vorliegt, lässt es bekannt geben, dass der Betreffende kein Zeuge Jehovas mehr ist“ (Ältestenbuch sfl-X, Feb. 2019, Kap. 18, Punkt 3)

Interne, geheime Handlungsanweisungen und die Erfahrung Betroffener zeigen klar, dass ein getaufter Zeuge Jehovas, der eine Bluttransfusion annimmt und nicht bereut, ausgeschlossen und geächtet wird.

Äußerst verstörend ist an der Aussage der Anwälte der Jehovas Zeugen, dass sie damit aus unserer Sicht bereits offensichtlich mehrfach Verlage zu unrecht abgemahnt haben.

Widerspruch zu Todesopfern des Blutverbots

„‚Es sterben immer wieder Gläubige nach Verkehrsunfällen oder Frauen bei einer Geburt.‘

Diese Aussage wird in Verbindung mit dem weltweiten bekannten Standpunkt der Zeugen Jehovas zu Bluttransfusionen gemacht. Die Beschuldigte behauptet demnach, dass Zeugen Jehovas, die medizinische Behandlung ohne Bluttransfusionen wählen, immer wieder nach Verkehrsunfällen oder bei einer Geburt wegen einer Verweigerung von Bluttransfusionen sterben. Diese Aussage entbehrt jeglicher Grundlage und ist unwahr … Mediziner bestätigen weltweit, dass Zeugen Jehovas aufgrund ihres Standpunktes oft im Vorteil sind … Etwas gegenteiliges zu behaupten, ist aus diesem Grund ein gemeiner Versuch der Beschuldigten die Antragsteller in der Öffentlichkeit als eine gefährliche und fanatische Religionsgemeinschaft darzustellen.“ (10)

Es gibt eine Vielzahl von Belegen über Todesopfer bei Jehovas Zeugen wegen der Verweigerung einer Bluttransfusion, sogar in den eigen Publikationen. Ein Schweizer Gericht hat geurteilt, dass die Aussage über Todesopfer aufgrund des Blutverbots zulässig ist.

Kindesmissbrauch

Widerspruch zum Kindesmissbrauch in Australien

„‚In Australien konnten rund 1.000 Täter ermittelt werden, die 1.800 Kinder missbraucht hatten.‘

Die Aussage … – so als ob es sich um bereits festgestellte Tatsachen handelt – ist unwahr und zudem eine schwere Verleumdung.“ (30)

Dagegen wird in einer Fernsehsendung von CNN davon gesprochen, dass durch die Repräsentanten der Zeugen Jehovas in Australien selbst über 1.000 Mitglieder als Kindesmissbraucher identifiziert wurden. In der Abmahnung wird darauf bestanden, dass es sich „nur um mutmaßliche Täter und Opfer“ handelt.

Widerspruch zur Vorgehensweise bei Kindesmissbrauch

„‚Die Opfer sexuellen Missbrauchs … müssen … die Geschehnisse vor den Ältesten in Anwesenheit des Täters nochmals schildern  … Vor anderen Männern muss dann eine junge Frau schildern, wie sie sexuell missbraucht wurde … die 2-Zeugen-Regel dazu führt, dass Kindesmissbrauch vertuscht werden kann .. Betroffenen von sexueller Gewalt der Mund verboten wird ‚
Dies Behauptung ist unwahr … Die Behauptung, ein minderjähriges Opfer von sexuellem Missbrauch müsse … die Geschehnisse vor den Geistlichen unserer Mandantschaft und auch in Anwesenheit des Täters schildern, ist unwahr.“ (31)

Dagegen heißt es im damals gültigen Religionsrecht:
„Bestreitet der Beschuldigte die Tat, sollten die beauftragten Ältesten ein Treffen mit ihm und dem Ankläger vereinbaren. (Hinweis: Handelt es sich um Kindesmissbrauch und ist derjenige, der missbraucht wurde, noch minderjährig, dann sollten die Ältesten mit dem Zweigbüro in Verbindung treten, bevor ein Treffen mit dem Kind und dem angeblichen Missbraucher vereinbart wird.) Möchte der Ankläger oder der Beschuldigte nicht mit den Ältesten zusammen kommen oder bestreitet der Beschuldigte weiterhin die Anschuldigung des einzigen Zeugen und ist die Missetat nicht nachgewiesen, überlassen die Ältesten die Angelegenheit Jehova.“ (Ältestenbuch ks10, Kap. 5, Punkt 39)

Die abgemahnten Äußerung spricht übrigens nicht ausdrücklich von einer Minderjährigen. Vielen Opfern wird der Missbrauch erst im Erwachsenenalter bewußt.

Das Schreiben der Anwälte der Jehovas Zeugen bestätigt sogar die vorher gerügten,Ausführungen, wenn es ausführt:
„… in den Fällen, in denen ein Mitglied unserer Mandantschaft Vorwürfe von Kindesmissbrauch allgemein verbreitet und es hierzu weder ausreichende Beweise gibt noch von dem mutmaßlichen Opfer eine Strafanzeige erstattet wird bzw. Strafermittlungen eingestellt werden, das betreffende Mitglied berechtigterweise darauf hingewiesen werden muss, dass es bei weiterer Verbreitung dieser nicht bestätigen Vorwürfe sich der Gefahr der üblen Nachrede oder schweren Verleumdung aussetzt … strafrechtliche wie auch religionsrechtliche Konsequenzen haben kann …“
Vorgenannte Ausführungen entsprechen dem Inhalt der abgemahnten Aussagen!
Weitere Informationen zum Thema Kindesmissbrauch finden Sie hier.

Widerspruch zum Schreiben vom 4. Januar 2007 – Vernichtung aller Unterlagen zu Kindesmissbrauch

Ein ausführliche Abhandlung zu dem beanstandeten Brief finden Sie hier.

„Diese Behauptung ist unwahr. Einen solchen Brief hat unsere Mandantschaft niemals verfasst oder versandt. Er stellt eine plumpe Fälschung dar, die leicht erkannt werden kann … Sie versuchen damit auch vorzutäuschen, unsere Mandantschaft würde alles unternehmen, um Fälle von Kindesmissbrauch zu vertuschen … müssen Sie … auch mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen, da die Rechtswidrigkeit der Veröffentlichung des gefälschten Briefes bereits festgestellt ist.“ (22)

Jehovas Zeugen haben bereits mehrfach eine Veröffentlichung dieses Briefes abgemahnt. Nach unserer Kenntnis wurde bisher nicht von unabhängiger oder gerichtlicher Seite festgestellt, dass der Brief tatsächliche eine Fälschung ist, wie Jehovas Zeugen behaupten. Einen Beweis für eine gerichtliche Feststellung wird hier nicht angeführt. Das Urteil des Verwaltungsgericht Mainz kann nicht als Beweis herangezogen werden.

Unabhängig jedoch, ob der Brief echt ist oder aber eine Fälschung, passt er in das Gesamtbild, das Jehovas Zeugen abgeben. Es gibt es eine Vielzahl von Belegen und Erfahrungsberichten, dass Jehovas Zeugen systematisch Unterlagen vernichten.

Außerdem gibt es eine Vielzahl von deutlichen Hinweisen, dass der Vorwurf, Jehovas Zeugen würden Kindesmissbrauch vertuschen, durchaus begründet ist und nicht allein an dem strittigen Brief festgemacht werden kann.

Berichte in den Medien

Interview von Sektenexpertin Dr. Regina Spiess im Zürcher Tagesanzeiger

Wegen eines Interviews im Zürcher Tagesanzeiger vom 27.05.2015 «Zeugen Jehovas reissen Familien auseinander» zum internationalen Wachtturm-Opfer-Gedenktag wurde Regina Spiess wegen ehrverletzender, übler Nachrede von Jehovas Zeugen angeklagt. Das Gericht hat sie jedoch freigesprochen.
(Zusammenfassung)

Die Jehovas Zeugen behaupteten, dass die Vorwürfe im Interview nicht wahr wären, wie z.B. die Existenz der Zwei-Zeugen-Regelung, die Ächtung von Ausgestiegenen oder Todesfälle infolge verweigerter Bluttransfusionen.

Buch „Ausstieg ins Leben“

Im Frühjahr 2017 veröffentlichte Konja Simon Rohde das Buch „Ausstieg ins Leben“. Nun gehen Anwälte der Zeugen Jehovas wegen einzelner Aussagen gegen den Mercator-Verlag vor
(WAZ 15.07.2017, DERWESTEN, WESTPHALENPOST)

„Unter anderem wird widersprochen, dass es keinen Zwang von Seiten der Zeugen zum Kontaktabbruch gibt, wenn jemand aussteigt.

Die Publikationen der Wachtturm Gesellschaft und die Erfahrungen vieler Betroffener führen die Abmahnung ad absurdum.
Hier finden Sie weitergehende Infos.

Buch “Goodbye, Jehova!”

Im Blog von Misha Verollet erschien im Januar 2018 ein Artikel mit dem Titel „Stellungnahme: Jehovas Zeugen K.d.ö.R klagen gegen mein Buch ‚Goodbye, Jehova!‘ und den Verlag Rowohlt“.

Beanstandet werden sieben Passagen auf 500 Seiten. Der Autor führt aus: „Gleichwohl handelt es sich hier meines Erachtens um einen plumpen Einschüchterungsversuch, Teil einer groß angelegten Strategie, Kritikerinnen und Aussteigerinnen mundtot zu machen. Dazu gehörte in der Vergangenheit auch das öffentliche Diffamieren und Pathologisieren von kritischen Ex-Zeugen Jehovas als ‚geistig krank'“.

Der Artikel ist inzwischen vom Netz genommen, liegt uns aber noch in gedruckter Form vor.

Jehovas Zeugen bereits 2015 mit Strafanzeige in der Schweiz gescheitert

Anna Gunkel arbeitet als Physiotherapeutin und Fachberaterin Psycho-Traumatologie mit Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie sagte im Interview: «Praktisch jede meiner Patientinnen, die bei den Zeugen Jehovas aufwuchs, wurde missbraucht»
(watson, 23.04.2015)

Der Anwalt der Zeugen Jehovas Oliver Huber leitete darauf hin Strafanzeige ein. «Die Beschuldigte habe mehrere unwahre ehrverletzende Äußerungen getätigt». Die Zeugen Jehovas blitzten jedoch ab, da die Staatsanwaltschaft die Voraussetzungen für eine Untersuchung als nicht gegeben ansah.
(watson, 22.10.2015)

OnlineZeitung 24.de

Nie wieder sollte ich schreiben, dass Zeugen Jehovas wenig behutsam mit Partnerschaften umgehen, wenn sich einer der beiden miteinander Verbandelten von besagter unsichtbarer Regierung abwendet und sich lieber Sichtbarem widmet. Sichtbar wurde für mich in diesem Schreiben auch eine Kostennote über 755,99 Euro. Die datierte vom 4. September 2007. Auch diesem Anwalt riet ich, dass er tun sollte, was er tun wollte. Doch auch er wollte nicht mehr. (12.12.2007 08:23:13 eingesandt von hwilmers für OnlineZeitung 24.de)